Die FP als Sammelgruppe intellektuell hilfloser Rassisten scheint ein Profil anzubieten, in dem sich erschreckend viele Österreicher beheimatet fühlen.
Es ist schon ausreichend erschreckend, dass überhaupt Zeilen notwendig sind, um diese beängstigende Entwicklung zu kommentieren. Gleichwohl ist es eine Tatsache, dass rechtsextreme Parteien in Österreich keine Randerscheinung mehr bilden, die darum ringt, die Schwelle der Wahrnehmung zu überschreiten. Im Gegensatz zu Parteien, die öffentlich für Toleranz, Gerechtigkeit und globale Verantwortung einstehen, hat sich die FP als wertgebende Kraft in Österreich etabliert.
Nun soll mit Barbara Rosenkranz auch noch eine Vorzeige-Rechte das Amt der Bundespräsidentin übernehmen und Österreich nach Außen hin repräsentieren. Unserem Land könnte kaum ein größeres politisches Unglück wiederfahren. Eine Person, deren vornehmliche Intention es ist, das größte Verbrechen, das in den letzten Jahrhunderten geschehen ist, zu legitimieren, eine Person, die Ausländerhass und Rassendenken propagiert, eine Person, die das Freiheitsstreben zu seiner moralischen Pervertierung missbraucht, soll Bundespräsidentin werden?
Ohne Zweifel ist diese Frage zu einem Gutteil emotionaler Natur. Es gilt, eine Entscheidung zwischen Hass und Toleranz zu fällen. Nichtsdestotrotz hält faschistisches Gedankengut auch keiner rationalen Analyse stand. Wo sind denn die rechten Ideologen, die ihre »Ideen« schlüssig zu argumentieren wissen? Welcher rechte Politiker versteht sich auf subtilere Propaganda als Stammtischrhetorik und Populismus? Wie kann Politik funktionieren, wenn sie auf Hass, Ausgrenzung, Überlegenheit und bedingungsloser »Freiheit« basiert? Diese faschistische Ideologie löst kein einziges Problem, verstrickt sich vielmehr in einer Kette von Widersprüchen, aus der sie sich nicht zu befreien vermag. Die rechte Gedankenwelt basiert zwingend auf Kampf und Unterdrückung. Im Gegensatz zu intelligenteren Ideologien funktioniert der Faschismus selbst in der Theorie in keinster Weise. Internationale Zusammenarbeit verschiedener nationalistischer Faschisten negiert sich schon von selbst, wenngleich sie paradoxerweise zuweilen erkennbar wird.
Die kommunistische Idee ist ein Internationalismus, der funktionsfähiger wird, je mehr Teile er gewinnen kann. Er achtet nicht auf Nation, Geschlecht oder Volkszugehörigkeit, er orientiert sich allein an einer gerechten und vernünftigen Gestaltung der Welt. Dem stellt der Faschismus ein »Ideal« entgegen, das auf Rassenkampf, Gewalt und Ausgrenzung basiert, die wiederum zwingend zu Gewalt führt.
Während tolerante Gruppen ein funktionierendes Modell Österreichs präsentieren können, ist die Idee eines von der FP diktierten Österreich ein kulturloses, hasserfülltes und einfärbiges Pflaster, das an die NS-Gedanken angelehnt ist. Es ist ein Österreich, das seine Probleme nicht löst, sondern deren Opfer entwürdigt und bekämpft. Es ist ein Österreich, das seine Zeltfest-Pseudo-Kultur emporhält und über die Feinheit vielfältiger Kultur seinen braunen Mist legt.
Ein friedliches Zusammenleben von Idealen und Nationen ist nicht nur möglich, sondern ein großes Geschenk, das die gesamte Vielfalt und Buntheit der Menschen dem Einzelnen zur Gabe macht. Unsere Augen vor den Opfern zu verschließen, die an unseren Maßstäben und Ideen gescheitert sind, ist verbrecherisch.
Die Ideologie des Nationalsozialismus unter Berufung auf die Meinungsfreiheit legitimieren zu wollen ist pervers und moralisch nicht zu verantworten. Jede Form der Freiheit bedarf seiner Grenzen. Trotz der unbestrittenen Bedeutung der Freiheit darf man nicht außer Acht lassen, dass sie nicht an sich gut und in jeder Form zu befürworten ist, sondern dass ihr Grenzen Not tun, um namentlich die Gerechtigkeit, die Menschenwürde und die gegenwärtige Ethik nicht zu verletzen. Wirtschaftliche Freiheit wurde über Jahrzehnte propagiert und führte zu einem dummen System, das ein Übermaß an Arbeit und gleichzeitig an Durst, Hunger und Tod schuf. »Vollendete Freiheit« ist das Recht des Stärkeren. Freiheit muss aber am Menschen ausgerichtet und seinen Bedürfnissen verpflichtet sein. Dieses ungeheure Leid, diese Menschenfeindlichkeit legitimieren oder gar fortsetzen zu wollen, ist keine »Meinung«, keine »Idee«, sondern ein Verbrechen.
Das Problem liegt allein darin, dass es der mutmaßlichen Wählerschaft Rosenkranz' schlichtweg egal ist, dass die Kandidatin kein funktionierendes Konzept anbieten kann! Dem durchschnittlichen FP-Wähler genügen populistische Sprüche und ein »patriotisches« Auftreten, zumal unterlegt mit dem »heroischen Kampf um die Freiheit«, um seine Stimme zu geben.
Es ist ferner besorgniserregend, dass eine Partei wie die SPÖ momentan schlichtweg inexistent ist. Es scheint sich die Spitze um die Brisanz dieser Tage nicht bewusst zu sein. Es geht nicht um den Verbleib gewisser Personen in der Partei-Führung, es geht nicht um persönliche Freundschaften, es geht darum, zumindest eine gewisse soziale Verantwortung in Österreich aufrecht zu erhalten und der Gefahr entschlossen und ehrlich entgegenzutreten.
Erheben wir unsere Stimme! Und wählen wir!
Freitag, 5. März 2010
Dienstag, 2. März 2010
Hat die ETA mit der FARC einen Anschlag auf Uribe geplant?
Ich werde meine Darlegung kurz halten und in drei Gedanken zerfallen lassen:
1
Angesichts des gegenwärtig Bekannten, ist man doch geraten, den Gerüchten mit einer gewissen Skepsis zu begegnen. Es gibt einen Richter, der wähnt, einer Verschwörung auf der Schliche zu sein. Punkt. Es gab vor ein paar Jahren auch einen Präsidenten, der wähnte, es sei schicklich, den verheerenden Anschlag auf eine Madrider U-Bahn der ETA in die Schuhe zu schieben. Es gilt also durchaus, die Ergebnisse der Ermittlungen abzuwarten.
2
Gehen wir aber einmal davon aus, dass sich die Anschuldigungen bewahrheiten. Dann muss wohl gesagt werden, dass Mordanschläge keine probaten Mittel sein können, um eine politische Wende herbeizuführen. Natürlich wäre Uribe nicht das erste Opfer seiner eigenen Politik und natürlich ist es in einem Land wie Kolumbien sehr schwer, auf demokratischem Wege eine Wende herbeizuführen, aber der Mord am Staatspräsidenten dürfte keine bedeutend aussichtsreichern Perspektiven eröffnen.
3
Es ist doch bizarr, dass in diesem Zusammenhang von einem »skandalösen« Anschlag mit »terroristischem« Charakter die Rede ist. Es scheint legitim zu sein, wenn die USA linke Regierungschefs (und noch lieber Politiker vor deren Karriere) »verschwinden ließen«, was sehr oft auch passierte. Es scheint gleicherweise legitim zu sein, dass Uribe »sein« Land wie ein Statthalter regiert, dass Kolumbien unter seiner Präsidentschaft den Prototyp einer US-Provinz abgibt und dass die Militärs zwar gegen die Rebellen vorgehen, sich aber nicht um die Interessen scheren, die sie mit Waffengewalt durchzusetzen gezwungen sind. Ich will einen möglichen Anschlag auf Uribe in keinster Weise legitimieren, ganz sicher nicht, aber ich möchte nahelegen, die Maßstäbe zu überdenken.
1
Angesichts des gegenwärtig Bekannten, ist man doch geraten, den Gerüchten mit einer gewissen Skepsis zu begegnen. Es gibt einen Richter, der wähnt, einer Verschwörung auf der Schliche zu sein. Punkt. Es gab vor ein paar Jahren auch einen Präsidenten, der wähnte, es sei schicklich, den verheerenden Anschlag auf eine Madrider U-Bahn der ETA in die Schuhe zu schieben. Es gilt also durchaus, die Ergebnisse der Ermittlungen abzuwarten.
2
Gehen wir aber einmal davon aus, dass sich die Anschuldigungen bewahrheiten. Dann muss wohl gesagt werden, dass Mordanschläge keine probaten Mittel sein können, um eine politische Wende herbeizuführen. Natürlich wäre Uribe nicht das erste Opfer seiner eigenen Politik und natürlich ist es in einem Land wie Kolumbien sehr schwer, auf demokratischem Wege eine Wende herbeizuführen, aber der Mord am Staatspräsidenten dürfte keine bedeutend aussichtsreichern Perspektiven eröffnen.
3
Es ist doch bizarr, dass in diesem Zusammenhang von einem »skandalösen« Anschlag mit »terroristischem« Charakter die Rede ist. Es scheint legitim zu sein, wenn die USA linke Regierungschefs (und noch lieber Politiker vor deren Karriere) »verschwinden ließen«, was sehr oft auch passierte. Es scheint gleicherweise legitim zu sein, dass Uribe »sein« Land wie ein Statthalter regiert, dass Kolumbien unter seiner Präsidentschaft den Prototyp einer US-Provinz abgibt und dass die Militärs zwar gegen die Rebellen vorgehen, sich aber nicht um die Interessen scheren, die sie mit Waffengewalt durchzusetzen gezwungen sind. Ich will einen möglichen Anschlag auf Uribe in keinster Weise legitimieren, ganz sicher nicht, aber ich möchte nahelegen, die Maßstäbe zu überdenken.
Dienstag, 23. Februar 2010
Diskussion und Disputation
Diskussion und Disputation – Die Annahme, die Demokratie funktioniere nicht, scheint mir hinlänglich belegt. Aus dem schlechterdings endlosen Schatz der Argumente will ich nun eines auswählen: Die Demokratie unserer Form unterdrückt ein gesundes Klima der Diskussion und Disputation, anstatt es zu fördern, zumal es der Herdennatur des Menschen widerspricht. Eine ideale Demokratie kann nicht funktionieren, ohne dass das Volk, das per definitionem die Regentschaft trägt, seine Meinung unentwegt überdenkt und durch gegenseitigen Austausch bereichert. Unsere »demokratischen Führer« scheinen diesen Austausch aber keineswegs forcieren zu wollen, sondern suchen vielmehr nach den geeignetsten Trichtern, die sich eignen mögen, Meinungen in die Menschen zu füllen. Gewiss gibt es Diskussion und Disputation, aber nur nach freien Gesetzen. Nur derjenige diskutiert, der es auch tun möchte. Die Regeln einer Diskussion werden selten festgelegt und noch seltener eingehalten. So geraten geplante Diskussionen zu rhetorischen Anstrengungen von wenigen Gehörten und spontane Gespräche zu unbedeutendem Geplauder einer Minderheit. Es ist für die einen gleichsam ein Kampfgespräch, das dem Eigeninteresse entwächst, für die anderen ein schöner Zeitvertreib.
Aus meinen »Aphorismen, Reflexionen und andere krumme Gedanken«
Aus meinen »Aphorismen, Reflexionen und andere krumme Gedanken«
Mittwoch, 3. Februar 2010
MUNDIAL
Tan muchas emociones e instintos se reducen a la identidad del pequeño balón. Y esa identidad del balón se expande a cada aspecto de nuestra coexistencia. Irrefutable prueba de los deseos irracionales de nuestra alma, de la magia gigantesca que hay en los objetos inútiles. Y mientras de noventa minutos sabemos que no hay nada más fascinante que un balón marchando a través de acerados piernas de defensores, dirigidos por unos toques sutiles, que un tiro que efectuado en desespero e ilusión se vuelve más largo y largo y — sólo besa el travesaño, que un sombrero que, como afuera de los reglas del tiempo, tierno planea en el gol por encima del violento pero impotente hormiguero de la defensa. Los árbitros, príncipes odiados que encienden los nervios, los técnicos, brujos poderosos con cara misteriosa... El fútbol es otro mundo y es una gracia maravillosa poder poner unos pasos dentro de él.
Sonntag, 24. Januar 2010
Die Zukunft der Katholischen Kirche
Wenn auch jede Zeit für sich beansprucht, speziell zu sein, so gab es wohl doch vor dieser Zeit keine, die auf moralischem und kulturellen (wie auch auch auf technologischem) Gebiet dergestalt schnelle und gravierende Änderungen mit sich gebracht hätte. Alle Instanzen, Strukturen und Konzepte müssen sich anpassen oder mindestenfalls auf die geänderten Bedingungen reagieren.
Die Katholische Kirche galt Jahrhunderte lang als unantastbare moralische Instanz und genießt diese Einschätzung in manchen Fällen noch heute.
Wenn man nun die Zukunft der Kirche zu prognostizieren sucht, so werden potenzielle Prophezeiungen mutmaßlich in drei verschiedene Möglichkeiten zerfallen:
1. Die Kirche wagt eine Läuterung und den Weg zur Schrift
Es liegt auf der Hand, dass ein offenes Schuldeingeständnis dem Ende der traditionellen Katholischen Kirche gleichkäme. Diese lehrt, das Licht für die Gläubigen zu sein und den immerwährenden lichtreichen Glauben zu lehren. Ferner leugnet sie den Relativismus. Ein effektives »Mea culpa« würde all diese Grundfeste erschüttern und die traditionelle Kirche auflösen. Zu viele von den repressiven Päpsten wurden heilig gesprochen, zu viele Beziehungen zu brutalen Herrschern geknüpft, als dass die Geschichte noch mit dem Selbstverständnis der Kirche in Einklang zu bringen wäre.
Gleichwohl weiß jeder von den systematischen Verfehlungen. Es ist allein unmöglich, sie vollends einzugestehen, ohne das Gebäude einstürzen zu lassen. Diese Diskrepanz ist ein großer Schatten, der über dem Petersdom und der ganzen Katholischen Kirche liegt.
Daher ist nicht anzunehmen, dass die Kirche diesen Schritt wagt. Auf lange Sicht gesehen könnte er aber eine Läuterung darstellen, die sehr heilsam für die Kirche wäre. Alte, tradierte Dogmen könnten aufgelöst, die Geschichte neu und ohne Selbstherrlichkeit begonnen werden. Die Kirche müsste einen neuen Anspruch festlegen, der nicht mehr von so arroganter Natur sei wie jener der jetzigen Kirche. Dann wäre es ihr auch möglich, wahrhaft der Schrift zu folgen und gleichsam Stellvertreter Jesu zu sein, ohne diese Würde als mächtige Instanz zu missbrauchen.
2. Die Kirche führt den halbherzig-heuchlerischen Weg fort
Zunächst reagierte die Kirche auf die Liberalisierungs- und Modernisierungsprozesse erzürnt und mit voller Entgegnung (vgl. z.B. Antimodernisteneid...). Da allerdings (auch aufgrund der Liberalisierung) die Macht der Kirche auf ethische Einschätzungen geschmolzen war, konnte sich die Kirche der neuen Strömungen nicht erwehren, was eine leichte Liberalisierungswelle (Vatikanum II usf.) zur Folge hatte. Dieser anfängliche Elan wurde gleichwohl schnell durch die Horde der Konservativen und anderen Bedenken eingebremst, bis man sich auf einer Linie getroffen hat, mit der man beide Ideologien zu befrieden sucht. Jenen, die fordern, die Kirche sollte ihre Schuld konkret eingestehen, sich vom rechten ideologischen (nicht parteipolitischen) Rand lösen, überholte Dogmen und Einschätzungen überarbeiten, jenen bietet die Kirche gleichsam eine Basis an mäßig liberalen und durchwegs vernünftigen Klerikern an, die auch bereit sind, so manchen Fehler der Kirche einzugestehen. Auch die höchsten Ebenen verzichten darauf, zu besonders heiklen Themen Stellung zu nehmen und ziehen es vor, die Schattenseiten (so viele es auch sein mögen) in den Hintergrund zu drängen und mit den vermeintlichen Wohltaten der Kirche, die »Gnadentaten spendend durch die Jahrhunderte ging...« (Divini redemptoris), zu glänzen. Die konservativen Teile fühlen sich gleicherweise befriedigt, da der Vatikan ja keine konkreten Ein- oder Zugeständnisse gewährt, sondern in seinen Grundfesten an der alten, tradierten Ideologie festhält. Da diese Taktik noch immer verhältnismäßig gut funktioniert, kann auch angenommen werden, dass sie fortgeführt wird.
3. Die Kirche wendet sich den Konservativen und Fundamentalisten zu
Viele Zeitgenossen wähnen die Zukunft der Kirche in einer Spaltung. Die liberalen Kräfte (die auch kein Problem damit hat, Argumente für ihre Thesen zu finden) würden sich von der Kirche lösen, deren Körper sodann von einer Gruppe von Traditionalisten, Fundamentalisten und Konservativen gebildet würde, die der katholischen Lehre weiterhin konsequent anhingen.
Auf lange Sicht scheint diese These sehr wahrscheinlich, da nicht anzunehmen ist, dass die Kirche einen großen Bruch provozieren möchte, der gleichwohl nicht darin läge, die Liberalen , sondern darin, die Jahrhunderte alten Lasten abzuschütteln. Solange die Kirche postuliert, den einzig rechten Glauben zu vertreten und ihre historische Schuld faktisch leugnet, sollte sie langfristig für den distanzierteren, denkenden Gläubigen (oder auch nicht) keine akzeptable Gemeinschaft mehr darstellen. Zu widersprüchlich sind ihre Lehren, zu widersprüchlich ihre Praxis, zu elitär ihre Hierarchie, zu kleinlich ihre Ordnung. Gleichwohl sind es mit diese Phänomende, welche die Traditionalisten und Fundamentalisten zur Kirche treiben. Es ist fraglich, ob sich die Kirche aktiv von ihnen abwendet (wenn sie sich auch nur wenig den Liberaleren zuwendet), zumal jene Kräfte über die Jahrhunderte die kirchliche Macht ausbildeten.
Die Katholische Kirche galt Jahrhunderte lang als unantastbare moralische Instanz und genießt diese Einschätzung in manchen Fällen noch heute.
Wenn man nun die Zukunft der Kirche zu prognostizieren sucht, so werden potenzielle Prophezeiungen mutmaßlich in drei verschiedene Möglichkeiten zerfallen:
1. Die Kirche wagt eine Läuterung und den Weg zur Schrift
Es liegt auf der Hand, dass ein offenes Schuldeingeständnis dem Ende der traditionellen Katholischen Kirche gleichkäme. Diese lehrt, das Licht für die Gläubigen zu sein und den immerwährenden lichtreichen Glauben zu lehren. Ferner leugnet sie den Relativismus. Ein effektives »Mea culpa« würde all diese Grundfeste erschüttern und die traditionelle Kirche auflösen. Zu viele von den repressiven Päpsten wurden heilig gesprochen, zu viele Beziehungen zu brutalen Herrschern geknüpft, als dass die Geschichte noch mit dem Selbstverständnis der Kirche in Einklang zu bringen wäre.
Gleichwohl weiß jeder von den systematischen Verfehlungen. Es ist allein unmöglich, sie vollends einzugestehen, ohne das Gebäude einstürzen zu lassen. Diese Diskrepanz ist ein großer Schatten, der über dem Petersdom und der ganzen Katholischen Kirche liegt.
Daher ist nicht anzunehmen, dass die Kirche diesen Schritt wagt. Auf lange Sicht gesehen könnte er aber eine Läuterung darstellen, die sehr heilsam für die Kirche wäre. Alte, tradierte Dogmen könnten aufgelöst, die Geschichte neu und ohne Selbstherrlichkeit begonnen werden. Die Kirche müsste einen neuen Anspruch festlegen, der nicht mehr von so arroganter Natur sei wie jener der jetzigen Kirche. Dann wäre es ihr auch möglich, wahrhaft der Schrift zu folgen und gleichsam Stellvertreter Jesu zu sein, ohne diese Würde als mächtige Instanz zu missbrauchen.
2. Die Kirche führt den halbherzig-heuchlerischen Weg fort
Zunächst reagierte die Kirche auf die Liberalisierungs- und Modernisierungsprozesse erzürnt und mit voller Entgegnung (vgl. z.B. Antimodernisteneid...). Da allerdings (auch aufgrund der Liberalisierung) die Macht der Kirche auf ethische Einschätzungen geschmolzen war, konnte sich die Kirche der neuen Strömungen nicht erwehren, was eine leichte Liberalisierungswelle (Vatikanum II usf.) zur Folge hatte. Dieser anfängliche Elan wurde gleichwohl schnell durch die Horde der Konservativen und anderen Bedenken eingebremst, bis man sich auf einer Linie getroffen hat, mit der man beide Ideologien zu befrieden sucht. Jenen, die fordern, die Kirche sollte ihre Schuld konkret eingestehen, sich vom rechten ideologischen (nicht parteipolitischen) Rand lösen, überholte Dogmen und Einschätzungen überarbeiten, jenen bietet die Kirche gleichsam eine Basis an mäßig liberalen und durchwegs vernünftigen Klerikern an, die auch bereit sind, so manchen Fehler der Kirche einzugestehen. Auch die höchsten Ebenen verzichten darauf, zu besonders heiklen Themen Stellung zu nehmen und ziehen es vor, die Schattenseiten (so viele es auch sein mögen) in den Hintergrund zu drängen und mit den vermeintlichen Wohltaten der Kirche, die »Gnadentaten spendend durch die Jahrhunderte ging...« (Divini redemptoris), zu glänzen. Die konservativen Teile fühlen sich gleicherweise befriedigt, da der Vatikan ja keine konkreten Ein- oder Zugeständnisse gewährt, sondern in seinen Grundfesten an der alten, tradierten Ideologie festhält. Da diese Taktik noch immer verhältnismäßig gut funktioniert, kann auch angenommen werden, dass sie fortgeführt wird.
3. Die Kirche wendet sich den Konservativen und Fundamentalisten zu
Viele Zeitgenossen wähnen die Zukunft der Kirche in einer Spaltung. Die liberalen Kräfte (die auch kein Problem damit hat, Argumente für ihre Thesen zu finden) würden sich von der Kirche lösen, deren Körper sodann von einer Gruppe von Traditionalisten, Fundamentalisten und Konservativen gebildet würde, die der katholischen Lehre weiterhin konsequent anhingen.
Auf lange Sicht scheint diese These sehr wahrscheinlich, da nicht anzunehmen ist, dass die Kirche einen großen Bruch provozieren möchte, der gleichwohl nicht darin läge, die Liberalen , sondern darin, die Jahrhunderte alten Lasten abzuschütteln. Solange die Kirche postuliert, den einzig rechten Glauben zu vertreten und ihre historische Schuld faktisch leugnet, sollte sie langfristig für den distanzierteren, denkenden Gläubigen (oder auch nicht) keine akzeptable Gemeinschaft mehr darstellen. Zu widersprüchlich sind ihre Lehren, zu widersprüchlich ihre Praxis, zu elitär ihre Hierarchie, zu kleinlich ihre Ordnung. Gleichwohl sind es mit diese Phänomende, welche die Traditionalisten und Fundamentalisten zur Kirche treiben. Es ist fraglich, ob sich die Kirche aktiv von ihnen abwendet (wenn sie sich auch nur wenig den Liberaleren zuwendet), zumal jene Kräfte über die Jahrhunderte die kirchliche Macht ausbildeten.
Montag, 14. Dezember 2009
Minarette?
So viel ich weiß und erfahren habe, ist ein Minarett nicht ein Symbol des Kampfes gegen die »christliche« Kultur im Abendland, sondern einzig ein Symbol des Angekommenseins, des Daheimseins. Ich denke, dass die Liebe im Menschen das unseren Schwestern und Brüdern zugestehen muss. Nur verschwindend wenige Moslems wollen unsere Kultur »auslöschen« und mit ihrer ersetzen. Wenn wir aber den Islam als gleichwertig tolerieren, wird er, wie ich glaube, nicht im Kampfe kommen, sondern seine Heimat auch in Mitteleuropa dankbar annehmen.
Mit der »christlichen Kultur« zu argumentieren, wie etwa in Österreich, finde ich haltlos und unehrlich. Die echten Kulturträger in Österreich sind auch Träger der Toleranz. Wo allerdings mit der Angst der Bevölkerung gespielt wird, wenn vom Verlust der Kultur gesprochen wird, ist im Grunde von der Zeltfest-Kultur die Rede, die namentlich mit der christlichen Tradition verbunden ist. Deren Propagandisten sind denn auch Dampfplauderer und Stammtischrhetoriker. Tiefe Kultur wird durch die Vielfalt nur bereichert, nicht beschnitten.
Zudem ist die wirtschaftliche Globalisierung ein bedeutend größeres Problem als die ethnische. Vermischung der Völker gehört nun einmal in das dritte Jahrtausend. Wir können nicht einerseits die Globalisierung ausnützen, um unsere Beutezüge bequem auf die ganze Welt zu verteilen, andererseits aber die Opfer verstoßen. Die Anführung dieses Zusammenhanges ist zwar nicht immer legitim, veranschaulicht aber doch die Doppelmoral der »christlichen Abendlandkultur«.
Mit der »christlichen Kultur« zu argumentieren, wie etwa in Österreich, finde ich haltlos und unehrlich. Die echten Kulturträger in Österreich sind auch Träger der Toleranz. Wo allerdings mit der Angst der Bevölkerung gespielt wird, wenn vom Verlust der Kultur gesprochen wird, ist im Grunde von der Zeltfest-Kultur die Rede, die namentlich mit der christlichen Tradition verbunden ist. Deren Propagandisten sind denn auch Dampfplauderer und Stammtischrhetoriker. Tiefe Kultur wird durch die Vielfalt nur bereichert, nicht beschnitten.
Zudem ist die wirtschaftliche Globalisierung ein bedeutend größeres Problem als die ethnische. Vermischung der Völker gehört nun einmal in das dritte Jahrtausend. Wir können nicht einerseits die Globalisierung ausnützen, um unsere Beutezüge bequem auf die ganze Welt zu verteilen, andererseits aber die Opfer verstoßen. Die Anführung dieses Zusammenhanges ist zwar nicht immer legitim, veranschaulicht aber doch die Doppelmoral der »christlichen Abendlandkultur«.
Donnerstag, 10. Dezember 2009
Unwiderlegbar??
Eigentlich benütze ich meinen Blog selten dafür, über Erlebtes zu berichten. Jetzt aber lege ich doch einmal eine kleine Erfahrung dar. Wie kommt es, dass sehr viele Menschen (die gewiss nicht besonders bekannt oder populär sind) hinter ihre kleinen Textchen oder auf ihren Homepagechen ihre Mailadressen schreiben? Man könnte doch annehmen, dies geschehe, weil sie Nachrichten (Anfragen, Lob, Kritik usf.) erwarten. Dann aber müssten sie auch antworten, denke ich. Wenn dem aber nicht so ist, kann es einige Gründe geben: War ich vielleicht zu wenig freundlich? Ach was, Blödsinn, ich bin immer freundlich! War meine Nachricht dergestalt infantil, dass sie ignoriert werden kann? Vielleicht. Aber wenn sie schon so primitiv ist, dann könnte doch zumindest eine primitive Antwort erfolgen. Umso besser, wenn da jemand gar nicht nachdenken muss, bevor er/sie antwortet. Oder, und mit dieser Argumentation kann ich es - bis mir entgegnet wird - bewenden lassen, meine Argumente sind unwiderlegbar, jedes Lob so stark, dass es gar keiner Bestätigung mehr bedarf und jede Kritik dergestalt niederschmetternd, dass ihr nicht entgegnet werden kann. Ist es nicht so, meine Freunde...?
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